Krank und Autonom
Krank und Autonom

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Christoph Schlingensief

Liebe Frau J.

Also niemand weiß, warum bei mir die Metastasen verschwunden sind. Ich glaube aber, dass es sich hier um eine Wechselwirkung handelt. Unbedingt autonom bleiben! Alles ist gut, was ihnen hilft, wo sie sich wohl fühlen! Auch alternative Heilmethoden sind okay, wenn sie ihnen nicht schaden oder wichtige schulmedizinische Arbeiten aufhalten.

christoph

[…] Es geht doch darum, das man sich weiterhin vertraut, das man sich hoffentlich auch selber liebt, das man genug Leute findet, die einem helfen aus der drohenden Depression rauszukommen, und dass man diese Welt als Herausforderung sieht, egal wie schwer sie einem momentan auch vorkommen mag! Äußern Sie ihren Schmerz! Zeigen Sie ihre Wunde, sagt Beuys! Nur wer seine Wunde zeigt, wird geheilt. Also raus mit den Sorgen, raus in die Welt, darüber reden, sprechen, denken und ganz viele schöne Dinge tun, die man eigentlich nicht mehr tun wollte.

So schön wie hier kann es erstmal im Himmel gar nicht sein!

Das meine ich wirklich ernst! Vielleicht korrigiert sich das, wenn man wirklich am Ende des Lebens angekommen ist. Vielleicht gibt es da so Zustände, wo man sich wirklich von dieser Welt verabschieden möchte. Aber wenn sie auch nur ab und zu einen kleinen Schimmer Freude spüren, dann ist da noch was! Bewahren sie diese kleinen Momente unbedingt auf! Danken sie für diese kurzen Momente und irgendwann werden sie bemerken, dass sie gar nicht mehr mit dem Danken aufhören können. So viele, tolle Dinge werden passieren!

Bleiben sie autonom! Es lohnt sich!

Herzliche Grüße

 

Hintergründe

Bei Christoph Schlingensief wurde Anfang 2008 Lungenkrebs diagnostiziert. Der bekannte und auch im Laufe seiner Krankheit weiterhin künstlerisch tätige Film- und Theaterregisseur verfolgt mit dieser Seite die Idee, ein kleines Netzwerk aufzubauen, das Patienten unterstützen soll, bei denen vor kurzem Krebs oder ALS diagnostiziert worden ist.

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Arbeiten von Patienten

Angela Jansen
Theaterproduktion „Kunst und Gemüse“
Frederike von Stechow
Doku „Eine von Acht“